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Liebe junge Freunde,
 
„Die Welt mit ihren Nöten und Fragen sucht Hilfe und Ratgeber. Wer schenkt der Jugend Gemeinschaft? Wer hört ihr zu? Wer nimmt ihre Kräfte in Anspruch? Wer bringt den Samen zum Wachsen? Wer stillt den Hunger, wer findet und stärkt die Helfer?“ So schrieb es der verstorbene Kardinal Carlo Maria Martini in einem Brief an die Jugend und führt weiter aus: „Aber wie können wir in der Kirche neue Kräfte wecken, damit die Jugend ihre Aufgabe in der Welt wahrnehmen kann?“.
 
Unser gemeinsamer Tag in Wieselburg ist viel: viel Neues, viel Freude, viel Begegnung, viel Dialog, viel Begeisterung. Einige hundert Menschen sind der Einladung gefolgt, Kirche zu leben, Kirche zu erleben, zu sehen, was es bedeutet, gemeinsam im Glauben zu stehen. Als Bischof liegt es an mir, dass es nicht nur ein Fußballspiel gibt, mit 22 Spielern und einem Ball und daneben stehen Menschen und feuern an, und alle geben ihr Bestes. Sondern dass es auch ein Ziel gibt: das Tor. Das Tor, um das es geht, ist eine Beziehung zu Christus, eine Freundschaft mit Jesus, eine Antwort und eine Erwiderung auf die Liebe Gottes, die in der Welt ist.
 
Meine große Frage an Euch ist: Wie können wir uns mit dieser Liebe verbinden, die in der Welt ist? Wie können wir in eine tiefe Jesusfreundschaft eintauchen? Wie können wir Euch zeigen, dass es um Euch geht, um Eure Freundschaft mit Ihm? Wir sind Teil dieser Welt, die Gott mit seiner Liebe gefüllt hat und füllt. Es ist unsere Aufgabe, diese Liebe zu finden. Es ist unsere Aufgabe, diese Liebe zu leben. Es ist unsere Aufgabe, diese Liebe zu zeigen. Wie können wir nun, wie Martini es schreibt, „neue Kräfte wecken“?
 
Unser gemeinsamer Tag soll Vorhänge zur Seite schieben, die den Blick auf das Wesentliche verbergen. Gemeinsam wollen wir ausloten, wie wir das machen können, was es dafür braucht. Ja, wir wollen Jugendliche erreichen, ja wir wollen sie rufen. Wissen wir wohin? Wissen wir, wozu? Meine Antwort ist immer: Zu Jesus Christus. Zum Glauben. Zum Zuhause in der Gemeinschaft und zur Freundschaft mit Gott, der es uns so leicht macht, ihn zu lieben. Wie können wir also den Vorhang aufmachen, der unseren Blick auf Jesus verdeckt? Leben wir unsere Kirche leben so, dass die Vorhänge zu Seite weichen. Ob das Licht, ob Jesus dann hineinscheint in uns, das können wir nicht beeinflussen - aber die störenden Vorhänge können wir lüften. Die Kirche als Institution ist „Werkzeug der Erlösung aller“, betont das Konzil immer wieder, sie ist nur ein Werkzeug und nicht das Heil. Gerade deshalb ist es mir ein Anliegen, dass es nicht so sehr um Strukturfragen geht, sondern um Methoden und Wege, den Vorhang zur Seite zu schieben.
 
Wir hören von der Bekehrung des Saulus zu Paulus und ich frage in dieses Gehörte hinein: Was wäre, wenn wir die Perspektive darauf ändern und nicht von der Bekehrung des Saulus, sondern von der Berufung des Paulus sprechen? Jesus sagte zu ihm „Steh auf, stell Dich auf Deine Füße! Denn ich bin Dir erschienen, um dich zum Diener und Zeugen dessen zu erwählen, was du gesehen hast UND WIE ICH MICH DIR NOCH ZEIGEN WERDE“ (Apg 26,16). Wie hoffnungsvoll ist das in Bezug auf unseren gemeinsamen Tag. Wie sich Jesus uns noch zeigen will! Wer kann dies schon sagen über seinen Gott?
 
Wenn uns jemand liebt, dann wollen wir gefallen, dann wollen wir begeistern, dann sind wir unser bestes Selbst. Sind wir das für Jesus? Sind wir begeistert? Sind wir inspiriert? Für ihn, um seiner Liebe willen? Und wenn wir schon bei der Begeisterung und damit beim Heiligen Geist sind: Begeistern wir damit sogar andere? Ich bin davon überzeugt: Nicht mit dem theoretischen und differenzierten Erklären von Zuneigung, sondern nur mit Begeisterung und authentisch gelebter Liebe begeistern wir für die Liebe selbst.
 
Johannes Hartl spricht in einem Vortrag im März 2019 davon, dass „das Einfache (…) unter Theologen oft umstritten ist“, und führt aus, dass wir zu oft zu sehr differenzieren, zu sehr verkomplizieren, zu wenig am Kern der Frohbotschaft bleiben. Nehmen wir uns vor, an diesem Kern zu bleiben, von diesem Kern zu sprechen, an diesen Kern zu glauben: In der Mitte des Christentums geht es um einen liebenden Gott, der eine persönliche Beziehung mit uns will. Der seinen Sohn gesandt hat, um wegzunehmen, was diese Beziehung zu ihm hindert. Ich schließe mit der Bitte Kardinal Martinis aus seinem Brief, als er vor vielen Jahren Freiwillige für Georg Sporschills Projekt begeistern wollte: „An der Kirche liegt es, dass kein Mensch von sich sagen muss, er habe keinen Freund, er habe keine Aufgabe, sein Leben habe keinen Sinn.“ Wir sind niemals allein, wenn wir Jesus zum Freund haben. Wecken wir gemeinsam „neue Kräfte“ für Jesus Christus.
 
Danke für unser Miteinander.
 
Bischof Alois Schwarz